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Was ist eigentlich?

Religiöse Zusammenhänge erklärt

Heiliger Geist

Wer christlich getauft ist, ist auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes getauft. Die dreigliedrige Taufformel begegnet im Neuen Testament erstmals im sogenannten Taufbefehl des Matthäus (Mt 28,19). Mit dem Sprechen der Taufformel wird der Heilige Geist (hagion pneuma) auf den Täufling herabgerufen (Epiklese).

Die erste urchristliche Erfahrung des Geistes beschreibt ihn als ein ‚Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind‘ (Apg 2,2). Die neutestamentliche Rede vom Geist Gottes hat sich von (eher dynamistischen) Aussagen, die ihn als naturhaftes und dynamisches Geschehen darstellen, indem „von Wind- oder Sturmphänomenen, von plötzlichem Ergriffensein und zeitweiligen oder auch dauerhaften Kraftwirkungen die Rede ist“, immer stärker zu Aussagen entwickelt, mit denen ihm (tendenziell) eher personale Züge zugeschrieben werden, sodass „der Geist in unterschiedlichem Maße als eigenständig handelndes, redendes, ja göttliches Subjekt zum Thema wird“. Für Jörg Frey „Während die dynamistische Komponente im Neuen Testament immer wieder begegnet und nie ganz verloren geht, scheint sich“ – so Jörg Frey – „die personale Dimension erst nach und nach herauszubilden und sukzessive zu verstärken.“[1]

Aber auch in den Aussagen über diese personale Dimension zeichnet sich ein Wandel in der Geist-Vorstellung ab. Im Alten Testament kam der Geist Gottes auf Menschen, „durch die Gott etwas erreichen wollte, Gott wirkte durch ihn in der Geschichte ‚von innen‘“.[2] Aber es ist Gott selbst, der seine Boten bevollmächtigt, prophetische Äußerungen hervorruft und schöpferisch sein Volk erneuert. Auch für Christus gilt, dass es zunächst eindeutig und ausschließlich der Geist Gottes ist, der den Messias Jesus bevollmächtigte und dann nach Ostern auch seine Nachfolger erfasste. Yves Congar sieht in der Taufe Jesu zusammen mit den Worten: „Du bist (bzw. Das ist) mein geliebter Sohn“ (Mk, 1,11 bzw. Mt 3,17) – aufgefasst als „die Bestätigung für das, was Jesus schon ist“ –, „(den) entscheidende(n) Moment, womit die Sendung, die er (Jesus, M.F.) für uns erfüllen sollte, begann“.[3] Für ihn ist es dies Taufereignis, „das Jesus zum Messias (Gottessohn, M.F.) macht oder zumindest erklärt, zu dem, auf dem der Geist ruht, der im Geiste handeln und, verherrlicht und zum Herrn geworden, den Geist mitteilen wird. Bei seiner Taufe zu seinem Prophetendienst geweiht, wird Jesus den Geist ausgießen können, wenn er 'zur Rechten Gottes erhöht' (vgl. Apg 2,33) sein wird.“[4]

Im Sinne eines eigenständig handelnden Subjekts wird der Heilige Geist erst dadurch, dass er mit der Person Jesu Christi in Beziehung gesetzt wird.[5] So kommt es zunächst bei Paulus dazu, dass der Heilige Geist im Kontext einer verstärkten Wahrnehmung Christi als des Erhöhten immer mehr als Kraft und Medium des Handelns Christi in Erscheinung tritt und thematisiert wird.“[6] Bei ihm gewinnt die Rede vom Heiligen Geist in Ansätzen das Profil eines eigens handelnden und redenden Subjekts, etwa wenn Paulus erklärt, dass es Jesus Christus selbst sei, der durch ihn (Paulus) „in Wort und Tat, in der Kraft von Zeichen und Wundern und in der Kraft des Geistes Gottes“ gewirkt habe (Röm 15,18f). Christus selbst ist im Reden und Handeln des Jüngers gegenwärtig und wirksam im Geist und durch den Geist. Ganz ähnlich heißt es auch von den Gnadengaben (charísmata), Diensten (diakoníai) und Kraftwirkungen (energh´mata), die dem Geist zugeschrieben werden (1Kor 13), dass sie Wirkweisen des einen Gottes und des erhöhten Christus zugleich seien (vgl. 1Kor 12,4 – 6). Gleichwohl redet Paulus noch nicht davon, dass der Geist von Christus selbst gesandt oder eine ihm eigentümliche Gabe sei, wie es später im johanneischen Traditionskreis formuliert wird (Joh 15,26; 16,7; 20,22). Für Paulus ist es nach wie vor Gott, der den Geist gibt (1Kor 6,19; 2Kor 1,22; 5,5; Gal 4,6; 1Thess 4,8), wenngleich Formulierungen wie „der Geist seines Sohnes“ (Gal 4,6), „der Geist Christi“ (Röm 8,9; Phil 1,19) oder „der Geist des Herrn“ (2Kor 3,18) in die Richtung weisen, dass schon Paulus den Geist in eine enge Beziehung zu Jesus Christus gestellt hat.

In der nachpaulinischen Zeit war es Lukas (und später dann auch Johannes), der eine eigenständige Pneumatologie entwickelte. So heißt es bei Lukas, dass Jesus Christus, nachdem er zu seinem Vater zurückgekehrt war, den Geist seinen Jüngern weitergegeben habe (Lk 24,49; Apg 2,33). Die ‚pfingstliche‘ Gabe, also die Ausstattung der Jünger mit dem Geistes ist das Zeichen für die Bevollmächtigung und Befähigung der Jünger Jesu zu Verkündigung und Mission und damit zugleich dazu, Jesu eines Werk in der Zeit der Kirche fortzusetzen (vgl. Apg 2,4). Im Verständnis des Geistes als einer ‚Gabe‘, die der Mensch empfängt (Apg 2,38) oder die über ihm ‚ausgegossen‘ ist (Apg 2,33) ist das, was zur Zeit des Irdischen Jesus ihm als dem Messias ‚vorbehalten‘ war, nun auch für seine Nachfolger ausgesagt. Immer wieder heißt es, dass sie „vom Geist erfüllt“ (Apg 2,17f; 4,8; 6,8.10; 7,55; 9,17; 11,23f; 13,9; 21,10) die Botschaft Jesu verkündigten. Der Geist wird bei Lukas als eine eigene Instanz begriffen, die mit den Jüngern die Trias von Auferstehung – Himmelfahrt – Erhöhung bezeugt und vermittelt. „Darin geht Lukas einen deutlichen Schritt über Paulus hinaus, bei dem die Sendung bzw. Gabe des Geistes an die Glaubenden noch allein von Gott ausging.“[7]  

Bei Johannes tritt der Heilige Geist schließlich als ‚Beistand‘ (paráklhtoj) der Jünger auf, wenn Jesus erklärt: „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe“ (Joh 14,26). Als ‚Stellvertreter‘ Jesu und als ‚Beistand‘ der Jünger ist der Heilige Geist zu einer ‚personalen‘ Größe geworden, deren Züge jedoch weiterhin in Analogie zur Person Jesu formuliert sind. Neben dem himmlischen Christus, der als Fürsprecher (paráklhtoj) beim Vater eintritt (1Joh 2,1), wird der Heilige Geist als ‚der andere Paraklet‘ eingeführt (Joh 14,16), den der erhöhte Christus nach seinem Aufstieg zum Vater den Jüngern als sein Stellvertreter gegeben hat. Als Lehrer der Worte Jesu ist es der Heilige Geist, der bewirkt, dass die Jünger sie versehen, und als derjenige, der bewirkt, dass Jesu Werk im Reden und Handeln, also in der Verkündigung der Botschaft Jesu von den Jüngern fortgesetzt wird, ist Jesus im Geist und durch ihn gegenwärtig und der Geist selbst tritt in seiner Wirkweise seinerseits als eigene göttliche Person in Erscheinung. „Als Geber des Geistes nimmt Jesus selbst jene Rolle ein, die in der älteren Tradition allein Gott selbst zukam. Zugleich ist deutlich, dass der Geist nun nicht mehr im alten ‚dynamischen‘ Sinne als göttliche Kraft bzw. Gabe des Vaters gezeichnet wird, sondern eben als Gabe Jesu und als eine aktiv und in Weiterführung des Werkes Jesu handelnde personale Größe.“[8] Wenngleich sowohl zwischen Jesus und dem Heiligen Geist als auch zwischen diesem und dem Vater unterschieden wird, so wird dennoch der Versuch unternommen, sie (funktional) einander zuzuordnen (vgl. Joh 16,13 – 15), sodass man mit – Jörg Frey – von einem „proto-trinitarischen Denken“ sprechen kann.[9]

Die johanneischen Aussagen über den Heiligen Geist in seinem Verhältnis zum (erhöhten) Jesus Christus und zu Gott Vater bilden die biblische Basis für die spätere Trinitätslehre. Die Vorstellung vom Heiligen Geist als einer göttlichen Person (persona beziehungsweise prosopon) in Unterscheidung von Sohn und Vater und zugleich in Zuordnung zu beiden sollte sich erst im 4. Jahrhundert im Zuge des ersten Konzils von Konstantinopel (381) bahnbrechen. Im nizäno-konstaninopolitanischen Glaubensbekenntnis, das vom Konzil von Chalkedon (431) als ökumenisch, d.i. als großkirchlich anerkannt wurde, heißt es, dass der Heilige Geist „vom Vater ausgeht und mit dem Vater und dem Sohn zusammen verehrt und verherrlicht wird“.

Die Schritte, die zur Trinitätslehre geführt haben, insbesondere unter Aneignung der Begriffe Ousia und Hypostase, die in der griechisch-hellenistischen Philosophie geprägt worden waren, sollen in einem eigenen Impuls behandelt werden.  

 


[1] Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 127.

[2] Herbert Vorgrimler, Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, 3. Auflage 2005, S. 50.

[3] Alles Zitate: Yves Congar, Der Heilige Geist, 1982, S. 32.33.

[4] Yves Congar, Der Heilige Geist, 1982, S. 31.

[5] Vgl. Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 127 – 132.

[6] Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 140.

[7] Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 144.

[8] Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 149.

[9] Jörg Frey, Vom Windbrausen zum Geist Christi und zur trinitarischen Person, in: Jahrbuch für Biblische Theologie (JBTh), Bd. 24 (2009): Heiliger Geist, S. 121 – 154, hier: 151.

Apostel

Im Zusammenhang mit dem Hochfest Christi Himmelfahrt haben wir gesehen, dass sich der Auferweckungsglaube mit Aussagen über ‚die Erhöhung Christi‘, wenn es heißt, ‚er sitzt zur Rechten des Vaters‘, (Erhöhungsvorstellung) und über ‚Christi Wiederkunft am Ende der Zeit‘ in der Erwartung, dass er als Weltenrichter auftreten werde, (Parusie-Erwartung) verbindet. Durch seine Auferweckung ist Jesus Christus endgültig von Gott zum ‚Herrn‘ der Welt bestellt und mit göttlicher Herrlichkeit ausgestattet. Diese Trias von Auferweckungsglaube, Erhöhungsvorstellung und Parusie-Erwartung, die sich vor allem bei Paulus und in der Apostelgeschichte, aber auch im Lukasevangelium und in den Schlussworten des Matthäusevangeliums findet, führt uns nun zu den Aposteln Jesu.

Unter ‚Apostel‘ versteht die christliche Tradition jemanden, der von Jesus Christus selbst mit dem Auftrag ausgestattet worden ist, den Glauben an den Auferstandenen (aller Welt) zu verkündigen.

Noch heute sind viele Theologen der Ansicht, dass gewissen Personen, die vor Jesu Tod in mehr oder weniger enger Beziehung zu ihm gestanden hatten, nach seinem Tod etwas widerfahren sein muss, aufgrund dessen sie zu der Überzeugung gelangt sind, dass er, den sie Meister oder Rabbi nannten und dem sie als seine ‚Schüler‘ (griech.: μαθηταí) gefolgt sind, trotz seiner Hinrichtung am Kreuz in neuer Weise lebt. Wenngleich diese neue Weise zu leben nun darin besteht, dass Jesus in die unmittelbare Gegenwart seines Vaters eingetreten (oder, wenn man so will: zurückgekehrt) ist, bedeutet dies keinesfalls, dass er den Menschen ‚unnahbar‘ geworden ist. Vielmehr bleibt er ihnen zugewandt, indem er zugunsten ihrer handelt, etwa sich ihnen als der Auferstandene zeigt.[1] Die Personen, denen er als der Auferstandene erschienen ist, werden im Neuen Testament als ‚Jünger‘ und – wie man heute weiß, dass auch Frauen Jesus gefolgt sind – ‚Jüngerinnen‘ Jesu bezeichnet. Es sind gerade diese Erscheinungen (Epiphanien), die zu jenen Widerfahrnissen gezählt werden können, die Menschen zu der fest verwurzelten Überzeugung geführt haben, dass Jesus trotz seines Todes am Kreuz (weiter-)lebt.

Zunächst, so berichten es die Evangelisten Matthäus und Johannes, zeigte sich der Auferstandene Maria Magdalena und noch einigen anderen Frauen; sodann erschien er auch dem Petrus, der im ursprünglichen Zwölferkreis eine prominente Stellung eingenommen hat, und den (nach der Selbsttötung des Judas Iskariot verbleibenden) elf Jüngern.

Jesus hatte den Kreis der zwölf Apostel selbst begründet (wobei die Zahl Zwölf symbolisch die zwölf Stämme Israels repräsentiert), indem er jeden einzelnen dazu aufrief, sein bisheriges Leben aufzugeben, um ihm nachzufolgen. In seiner Nachfolge wolle er sie zu ‚Menschenfischern‘ machen, heißt es etwa bei Mt 4,19. So wie er die, die ihm nachfolgen, für seine Sache (oder sein Werk) begeistert, sollen auch sie, die ihm gefolgt sind, wiederum andere für dieselbe Sache (oder für dasselbe Werk) begeistern. Mit den Worten von Karl Heinrich Rengstorf: „Jesu Werk setzt sich fort im Werk seiner Bevollmächtigten.“[2] Das ist gemeint, wenn hier von Menschenfischern die Rede ist. Aber was ist diese Sache, die weitergegeben werden soll? Es ist die frohe Botschaft (griech.: εὑανγέλιον), das Evangelium vom Auferstandenen Jesus Christus.  Ihnen, die schon dem vorösterlichem Jesus gefolgt waren, zeigt sich Jesus als der Auferstandene allein aus einem einzigen Grund: Dass er durch sie auch nach Ostern weiterlebt. So habe Lukas (Apg 28,30f.) zu zeigen versucht, „daß die Arbeit der Jünger im Ansatz, im Weg und im Ziel nicht anders ist als die Arbeit Jesu“.[3] Dazu hat er sie befähigt und ausgesandt, „an seiner statt sich auf den Weg zu machen“.[4] Aus dem Glauben an seine Auferstehung (zusammen mit der Vorstellung von seiner Erhöhung zur Rechten und in der Erwartung seiner Wiederkunft) hat er ihnen aufgetragen zu handeln und anderen weiterzugeben, was ihnen in der Begegnung mit ihm als dem Auferstandenen widerfahren ist (contemplata aliis tradere). In dieser Rolle der zur Bezeugung der Trias von Auferstehungslaube, Erhöhungsvorstellung und Parusie-Erwartung ausgesandten Apostel (das griechische Wort ‚ἁπόστολος‘ bedeutet im wörtlichen Sinn ‚Gesandter‘) treten die verbleibenden elf Jünger in den ersten Kapiteln der Apostelgeschichte in Erscheinung.

Sie sind die Zeugen der ersten Generation, und es sind „Zeugen in einem doppelten Sinn, denn es soll nicht bei Lippenbekenntnissen bleiben, sondern sie bezeugen das Evangelium mit ihrem ganzen Leben, selbst wenn sie das Leben dadurch preisgeben müssen“[5]. Von ihrem Zeugnis, das sie ganz im Sinn von 1. Petr 3,15 – dort heißt es: „Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt.“ – ablegen, hat sich im 2. Jahrhundert auch der Philosoph und Märtyrer Justin, der als einer der wichtigsten frühen Apologeten gilt, überzeugen lassen, wenn er schreibt: „Sie haben nur das gelehrt, was sie, vom Heiligen Geist erfüllt, gehört und gesehen hatten. […] Denn sie haben sich damals nicht erst mit Beweisen geholfen, um damit ihre Lehren darzutun. Sie verzichten geradezu auf alle Beweisführung und sind dennoch glaubwürdige Zeugen der Wahrheit. Die Geschichte der Vergangenheit und Gegenwart zwingt dazu, ihren Worten zuzustimmen […], da sie in ihnen Gott, den Weltschöpfer und Vater, verherrlichten und seinen von ihm kommenden Sohn Christus verkündeten.“

Aus dieser Überzeugung heraus empfiehlt Justin in der Kaiser Hadrian gewidmeten Schrift „Apologie für die Christen“ dem Leser: „Wenn nun dir auch an dir selbst etwas gelegen ist, du nach Erlösung verlangst und dein Vertrauen auf Gott setzt, so brauchst du, zumal du auf diesem Gebiet nicht fremd bist, nur den von Gott gesandten Christus mit deiner ganzen Lebensführung anzuerkennen, um vollkommenes Glück zu erlangen (τελεíῳ γενομένῳ εὐδαιμονεῖν) zu erlangen.“[6]      

 


[1] Vgl. Raimond Jahae, Die Auferstehung Jesu Christi: Eine Problemanzeige, in: Gregorianum, Bd. 88, Nr. 3 (2007), S. 490 – 511, hier: 494ff.

[2] Karl Heinrich Rengstorf, Das Evangelium nach Lukas (Neues Testament Deutsch, Bd. 3), 1978, S. 286.

[3] Karl Heinrich Rengstorf, a.a.O., S. 287.

[4] Joachim Conrad, Die Himmelfahrt des Herrn. Praktisch-theologische Erwägungen zu einem verklingenden Fest (Heidelberger Studien zur Praktischen Theologie; Bd. 3), 2002, S. 65.

[5] Joachim Conrad, a.a.O., S. 66.

[6] Alle Zitate: Die Apologeten. Ausgewählt und übersetzt von Helmut Ristow (Quellen. Ausgewählte Text aus der Geschichte der christlichen Kirche, Heft 1), 1963, S. 143.145.

Über Sinn und Bedeutung von Christi Himmelfahrt

Viele kennen Christi Himmelfahrt als Vatertag, der in den USA seinen Ursprung hat, wo er seit dem Jahr 1910 nach dem Vorbild des Muttertags zu Ehren der Väter gefeiert wird. Als kirchlicher Feiertag wird an Christi Himmelfahrt die Rückkehr von Jesus Christus zu Gott seinem Vater im Himmel gefeiert: Der als Gottes Sohn vom Himmel herabgestiegene Jesus Christus („descendit de caelis“) steigt wieder hinauf zu seinem Vater im Himmel („ascendit in caelum“).  Dabei wird das Hochfest Christi Himmelfahrt am 40. Tag der Osterzeit, also 39 Tage nach dem Ostersonntag begangen. Das ist immer ein Donnerstag, zehn Tage vor dem Pfingstfest, mit dem der Osterfestkreis beschlossen wird. Seit 1936 ist Christi Himmelfahrt in Deutschland ein gesetzlicher Feiertag.

Während an Ostern die Auferstehung Christi gefeiert wird, geht es an Christi Himmelfahrt um die ‚Erhöhung Christi‘. Die frühe Kirche kennt noch kein eigenes Fest der Erhöhung, sondern feiert sie gemeinsam mit der Auferstehung an Ostern. Erst in Folge des 1. Konzils von Nizäa setzte sich um 370 der Brauch durch, den 40. Tag nach Ostern als eigenständigen Feiertag zu begehen. Damit folgte man der Chronologie des Lukasevangeliums. So wurde zur 40-tägigen Fastenzeit eine Entsprechung hergestellt. Im 5. Jahrhundert war dieser Brauch bereits allgemein verbreitet.

Die Himmelfahrt illustriert eine theologische Aussage: Jesus hat Teil an Herrschaft und Herrlichkeit Gottes. So heißt es im Glaubensbekenntnis, dass Jesus Christus, nachdem er in den Himmel aufgefahren ist, ‚zur Rechten des Vaters sitzt (sedet ad dexteram patris)‘.

Die biblische Grundlage für das Fest Christi Himmelfahrt sind die Erzählungen der Himmelfahrt Christi im Lukasevangelium (Lk 24,50 – 53) und in der Apostelgeschichte (Apg 1,1- 11). Beide Erzählungen handeln, wenn auch nicht in völliger Übereinstimmung, von der ‚Entrückung des Herrn‘, und zwar aus der Sicht irdischer Zuschauer und gleichsam als Abschluss der Gotteserscheinung. Gemeinsam ist den beiden Himmelfahrtserzählungen: Das sichtbare Entschwinden Jesu (Lk 24,51a; Apg 1,9), sein Auffahren in den Himmel (Lk 24,51b; Apg 1,12a), die Rückkehr der Jünger nach Jerusalem auf Geheiß Jesu (Lk 24,52b; Apg 1,12a) und ihre Gemeinschaft im Gebet und Gotteslob im Tempel (Lk 24,53; Apg 1,14).

Wenngleich der Gedanke der Auffahrt auch im Epheserbrief, im 1. Timotheusbrief und im 1. Petrusbrief erwähnt wird, ist damit dennoch kein sichtbares Geschehen wie bei Lukas gemeint. Auch die Erwähnungen in Mk 2,20, Lk 23,43, Off. 12,5 und Apg 3,20 haben eine andere Intention als die Erzählungen des Lukas. Mit Justin setzt sich dann in der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts die Himmelfahrtsvorstellung des lukanischen Doppelwerks zunehmend durch. Gerhard Lohfink kommt zu dem Schluss: „Überall dort, wo in der frühen Kirche von einer sichtbaren Himmelfahrt Jesu gesprochen wird, die von der Auferstehung durch dazwischentretende Erscheinungen getrennt ist, liegt bereits Abhängigkeit von der lukanischen Konzeption vor.“[1]

Nach dem Verständnis des Lukas habe sich Jesus während der vierzig Tage nach Ostern noch nicht im Himmel befunden, sondern in einer Art Zwischenzustand, in dem er zwar verklärt, aber noch nicht erhöht war, woraus sich für Lukas die Gliederung in fünf (zeitlich aufeinanderfolgende) Phasen ergibt: Tod –> Auferweckung –> Zwischenzustand –> Himmelfahrt –> Erhöhung, die er im Begriff des ‚Hinaufsteigens (in den Himmel)‘ (ascensio in caelum) zusammenzufasst. Der Begriff der Ascensio Domini wird im Glaubensbekenntnis als gegenläufiger Vorgang zum ‚Herabsteigen aus dem Himmel‘ (Descensio de caelis) festgeschrieben wurde, wobei beide Bewegungen ein und dasselbe (Christus-)Ereignis beschreiben.

Der Katechismus der Katholischen Kirche erklärt dies so: Nach der Auferstehung habe es bis zur Himmelfahrt zunächst eine ‚Zwischenzeit‘ gegeben. In diesem Zeitraum sei die ‚Herrlichkeit des auferstandenen Christus noch nicht ebenso hell erstrahlt wie dann die Herrlichkeit des zur Rechten des Vaters erhöhten Christus‘.

Es handelt bei den zwei Phasen: Auferstehung und Erhöhung, des gesamten Vorgangs des Hinaufsteigens um die Hervorhebung von zwei unterschiedlichen Aspekten: einerseits wird die Rückkehr des Sohnes zum Vater thematisiert, andererseits wird die Nähe des Sohnes zu Gott betont. Aufgrund dieser Nähe hat der Sohn an der Herrschaft Gottes teil (wie niemand sonst), was ihn dazu qualifiziert, wie es im Glaubensbekenntnis heißt, wieder vom Himmel herabzusteigen, um zu richten die Lebenden und die Toten. Mit der Rückkehrt des Sohnes hingegen wird darauf Bezug genommen, dass Jesus schon in seinem geschichtlichen Handeln bis zum Tod am Kreuz die Herrlichkeit Gottes spiegelte und ausstrahlte, indem er frei von Sünde gelebt und somit in allem dem Willen Gottes entsprochen und zum Heil der Menschen gehandelt hat. Die Eigenschaften ‚herrschaftlich‘ und ‚herrlich‘, die Jesus attribuiert werden, artikulieren (zumindest zwei) Aspekte, unter denen die neue Weise, auf die der Sohn Gottes in der unmittelbaren Gegenwart des Vater (weiter-)lebt, vorgestellt wird.

Joachim Conrad sieht daher die Botschaft der Himmelfahrt zunächst darin, „dass der Auferstandene an der Existenz Gottes teilhat und als der Erhöhte erschienen ist.“ Zugleich bedeutet Himmelfahrt „auch den Eintritt des Menschen in die Sphäre des Göttlichen“, die nicht (mehr) als ein weltjenseitiges Himmelreich aufzufassen ist.[2] Das Hinaufsteigen Jesu in den Himmel und sein Sitzen zur Rechten des Vaters sind vielmehr bildhafter Ausdruck für die neue Weise seines In-der-Welt-Seins. Das Hinaufsteigen ist somit zugleich ein Herabsteigen, so dass die Parusie-Erwartung, also das Erwarten seines Wiederkommens nicht mehr in erster Linie eine Frage des ‚Wann‘ ist. Der Akzent  hat sich vielmehr auf das ‚Jetzt‘ der Wiederkunft verlegt, indem das Hier und Jetzt der (erwarteten) Parusie dazu auffordert, ihrer Gegenwart in unserem ganz konkreten Reden und Handeln tatsächlich sinnliche Gestalt zu verleihen.  

Darin, wie wir redend und handelnd miteinander (und mit der ganzen Schöpfung) umgehen, zeigt sich (oder verbirgt sich) die Herrlichkeit des Herrn oder, jetzt mit anderen Worten, die Gegenwart Gottes. Der Eintritt des Menschen in die Sphäre des Göttlichen ist ein sprachliches Bild für die Erfahrung, dass sich im Umgang miteinander Gottes Gegenwart ereignet hat.

 


[1] Gerhard Lohfink, Die Himmelfahrt Jesu. Untersuchungen zu den Himmelfahrts- und Erhöhungstexten bei Lukas (Studien zum Alten und Neuen Testament, 26), München 1971, S. 111.

[2] Alle Zitate: Joachim Conrad, Die Himmelfahrt des Herrn. Praktisch-theologische Erwägungen zu einem verklingenden Fest (Heidelberger Studien zur praktischen Theologie, Bd. 3), 2002, S. 39.

Was ist Religion ('für mich')?

Die Frage ‚Was ist Religion?‘ zielt darauf ab, angeben zu können, was Religionen in Geschichte und Gegenwart gemeinsam ist. Dazu ist eine Kenntnis der einzelnen Religionen vorausgesetzt, wobei es sich bei dem, was jeweils von einer Religion gewusst wird, um ein Wissen gleichsam von außen handelt. Ein Wissen, das es erlaubt, Religionen miteinander zu vergleichen, um Gemeinsames und Unterscheidendes in Erfahrung zu bringen, lässt sich als (religions-)wissenschaftliches Wissen charakterisieren. Damit ist auch klar, dass dies viel schwieriger zu erzeugen ist, als das zur Sprache zu bringen, was Religion ‚für mich‘ ist.

Gefragt, was Religion für mich ist, antworten viele Menschen, dass ihre jeweilige Religion ihnen Halt gebe. ‚Halt‘ kann in diesem Verwendungszusammenhang sicherlich Unterschiedliches bedeuten. Für die einen ist damit gemeint, dass die Aussagen heiliger Sätze ihrem Leben Sinn geben. Für andere sind es die rituellen Handlungen, die ihrem Alltag eine Struktur geben. Wieder andere suchen heilige Orte auf, um dort zur inneren Ruhe zu kommen oder Gemeinschaft mit anderen zu erfahren. Das sind nur einige Beispiele dafür, was Religion Menschen bedeutet.

Zugleich werden mit diesen Beispielen auch zentrale Aspekte benannt, die jedenfalls den drei monotheistischen Religionen: Judentum, Christentum und Islam, gemeinsam sind. Jede dieser (Welt-)Religionen besitzt heilige Schriften, vollzieht heilige Handlungen und stiftet Gemeinschaft unter ihren Anhängern. Für Christen ist die (römisch-katholische) Kirche der ‚Ort‘, der die Gemeinschaft aller Christen symbolisch repräsentiert. Es sind der Vollzug derselben rituellen Handlungen und das Sprechen derselben Gebete, das Lesen und Hören derselben heiligen Texte und der Empfang derselben Sakramente die Gemeinschaft unter den Gläubigen allerorten und zu allen Zeiten stiften. 

Was Christen untereinander und das Christentum mit Judentum und Islam auch ‚inhaltlich‘ verbindet, ist aber sicherlich die Berufung auf ein und denselben Gott: den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Das Bekenntnis zu Gott (für die Christen zum Gott Jesu) ist entscheidend, wenn man das Gemeinsame der drei monotheistischen Religionen benennen will. Jede dieser Religionen ist ein Ganzes aus Glaubensinhalten und Handlungsweisen, obzwar auch deutliche Unterschiede und auch Trennendes auszumachen sind.

Wenngleich ihnen der Bezug auf denselben Gott gemeinsam ist, so ist er gleichwohl den Juden der Gott des Volkes Israel, den Christen der Vater Jesu und den Muslimen der Gott des Propheten Mohammad, dem das jeweilige Bekenntnis gilt. Dabei markiert die jeweilige Attribution drei unterschiedliche Heilswege, die hin zu Gott führen. Für die Christen ist Jesus Christus, wie es im Johannesevangelium heißt, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“. Ihn bekennen sie als ‚das von Gott zugesprochene Wort‘, das ihrem Leben Sinn, Halt und Erfüllung gibt.        

Vorbild im Glauben und Gehorsam

Abraham

Abraham zählt zusammen mit Isaak und Jakob zu den Erzvätern Israels, dem von Gott auserwählten Volk. Isaak ist Abrahams leiblicher Sohn, den seine Frau Sara, wie es von Gott verheißen war, im hohen Alter gebar. Abraham selbst, der ursprünglich Abram hieß, bevor er von Gott in Abraham umbenannt wurde, ist einer von drei Söhnen des Terach, der wiederum von Sem, einem der drei Söhne des Noah, abstammt. Jakob ist Abrahams Enkel, den sein Sohn Isaak mit Rebekka, der Enkelin Nahors, einem Bruder Abrahams, zeugt.

Die Abraham-Erzählung im Buch Genesis beginnt damit, dass Abraham auf Gottes Geheiß die Stadt Ur in Chaldäa verlässt, um im Land Kanaan unterwegs zu bleiben (vgl. Jos 24). Als Fremdling,  der sich dem neuartig Fremden aussetzt, errichtet er Altäre zur Ehre (seines) Gottes. Schon im Personennamen Abram, der übersetzt lautet: ‚Mein Vater ist erhaben‘, wobei mit ‚Vater‘ der (persönliche) Schutzgott gemeint ist, ist der Gottesname somit bereits mit enthalten.  Und er durchzieht, wie ihm aufgetragen, das Land Kanaan, abgewandt vom vertraut Eigenen, zu dem er nicht wieder zurückkehren wird, denn seine Rolle im Plan Gottes ist eine andere. Er wurde auserwählt, in das Land zu ziehen, das ihm von Gott zu Eigen geben wird (vgl. Gen 15,7). Zahlreich werden seine Nachkommen sein, die dieses Land bevölkern; und er selbst wird für jedes dieser Völker ein Segen sein (Gen 12,2 – 3), so wie auch er von Gott gesegnet ist. So wurde es ihm verheißen, und Abraham vertraute darauf, dass Gottes Verheißungen sich erfüllen werden.     

Abrahams Glaube, dass sich Gottes Verheißungen erfüllen werden, zusammen mit seinem Gehorsam, Gottes Geheiß Folge zu leisten, führten dazu, dass Gott einen Bund mit ihm schließt: „Das ist mein Bund mit dir: Du wirst Stammvater einer Menge von Völkern. Man wird dich nicht mehr Abram nennen. Abraham (Vater der Menge) wirst du heißen […] Ich schließe meinen Bund zwischen mir und dir samt deinen Nachkommen, Generation um Generation, einen ewigen Bund. Dir und deinen Nachkommen werde ich Gott sein.“ Sinnliches Zeichen dieses Bundes ist (im Judentum bis heute) die rituelle Beschneidung (hebr. brit mila) des männlichen Säuglings. Sie markiert bis heute den Eintritt in die jüdische Gemeinschaft und symbolisiert den Bund, den Gott mit Abraham und damit mit allen Juden geschlossen hat. Ganz ähnlich markiert die biblische Erzählung von der Umbenennung (Abram heiße von jetzt an Abraham!) den Beginn des Bundes, den Gott mit dem Volk Israel geschlossen hat. Zugleich symbolisiert diese Umbenennung die besondere Verantwortung, die  Gott bereit, ist für den namentlich so gekennzeichneten Menschen und seine Nachkommen zu übernehmen. 

 Auch die wohl bekannteste Perikope innerhalb der Abrahams-Erzählung, die Beinahe-Opferung Isaaks auf dem Brandopferaltar, handelt von der unbedingten Bereitschaft Abrahams, sich Gott zur Verfügung zu stellen oder, wie es schon am Beginn der Perikope zu Ausdruck kommt, sich von ihm auf die Probe stellen zu lassen, und zwar ganz im Vertrauen darauf, dass er so, wie er handelt, im Sinne Gottes handelt und damit zugleich den Willen Gottes erfüllt. Zudem wird mit der Rettung Isaaks vor dem Tod durch das Eingreifen eines göttlichen Boten die historische Rettung des Volkes Israels symbolisch repräsentiert, was die Erzählung als nachträgliche narrative Reflexion der Geschichte Israels (einschließlich Exil und Heimkehr) erscheinen lässt. In diesen Zusammenhang einer in die Ursprünge Israels zurückprojizierten theologischen Deutung vermeintlich historischer Ereignisse gehört das genealogische Konzept einer Abstammung Israels von Abraham: „Schaut Abraham an, euren Vater, und Sara, von der ihr geboren seid. Denn als einen Einzelnen berief ich ihn, um ihn zu segnen und zu mehren (Jes. 51,2 [Lutherübersetzung 2017]), zu der die Identitätskrise im Babylonischen Exil (6. Jh. v. Chr.) wie auch die noch In der nachexilischen Zeit (6./5. Jh. v. Chr.) gestellte Frage nach der eigenen jüdischen Identität Anlass gegeben haben. Es musste ein Konzept von Glauben entwickelt werden, das unabhängig von kultischen Institutionen wie Tempel und Opferkult wirksam sein kann.

Der als Fremdling wandernde Abraham, der, indem er auf die Stimme Gottes hörte (vgl. Dtn 26,17), von Gott gesegnet war, gilt als Vorbild des im Glauben Gehorsamen gegenüber der Weisung Gottes (= Tora), und zwar noch bevor diese am Sinai Mose von Gott geoffenbart wurde. So sind vor allem die um Abraham als Identifikationsfigur (nicht als geschichtliche Gestalt, denn als solche ist Abraham historisch nicht greifbar) entwickelten Konzepte von Glauben und Gehorsam, Verheißung und Hoffnung, die von Generation zu Generation neu akzentuiert wurden, auch im NT von Bedeutung.

Der theologisch bedeutsamste Aspekt ist auch in den neutestamentlichen Rückgriffen auf die Abraham-Erzählung sicherlich der Glaube Abrahams, der dazu geführt hat, dass er von Gott gerechtfertigt wurde. So heißt es im Brief an die Hebräer (11,8 – 10): „Durch Glauben gehorchte Abraham, als er berufen wurde, nach dem Ort auszuziehen, den er als Erbteil empfangen sollte; und er zog aus, ohne zu wissen, wohin er kommen werde. Durch Glauben hielt er sich in dem Land der Verheißung auf wie in einem fremden […].“ Vom auferstandenen Christus her argumentierend, erklärt Paulus sodann, dass die Erzeltern Israels gestorben seien, „ohne das Verheißene empfangen zu haben“, wenngleich sie, und das gesteht Paulus ihnen zu, das „himmlische Vaterland“, das sie suchten, „von ferne gesehen“ haben (Hebr. 11,13 – 15). So habe auch der Zeit seines Lebens umherziehende Fremdling Abraham stets „auf die Stadt (gewartet), welche die Grundfesten hat, deren Baumeister und Schöpfer Gott ist (Hebr. 11,11).

In Abgrenzung vom Judentum wird dann im Johannesevangelium Jesus selbst zugeschrieben, den Anspruch erhoben zu haben, mehr zu sein als Abraham, wenn aus seinem Munde erklärt wird: „Amen, Amen, ich sage euch: Noch ehe Abraham wurde, bin ich“ (Joh 8,58).

"A Day of Sentiment" (Anna Marie Jarvis)

Muttertag

Der Muttertag am 2. Sonntag im Mai ist nicht unumstritten. Seine Gegner sehen darin ein hohles Ritual, eine lästige Pflichtübung oder bloß schnöden Kommerz, der allein die Blumenhändler aufjubeln lässt. Seine Befürworter hingegen tun mit Hingabe, was der Tag ihnen abverlangt: In den Kindergärten wird gewerkelt und gebastelt, die größeren Kinder bedienen sich der Geschenkeindustrie, die angefangen von allerlei Schokoladensorten über teures Eau de Cologne bis hin zu jeder Art Küchengerät bereithält, was Mutterherzen (vermeintlich) höher schlagen lässt.

Tatsächlich waren es in Deutschland die Blumenhändler, die es als Erste verstanden haben, auf den Muttertagszugs aufzuspringen. Der Muttertag selbst ist jedoch nicht ihre Erfindung, auch nicht die der Nationalsozialisten, wie fälschlich behautet wird; diese missbrauchten ihn vielmehr, indem sie die Feier des Muttertages mit der Idee der ‚germanischen Herrenrasse‘ verknüpften und kinderreiche Mütter zu Heldinnen des deutschen Volkes erklärten, da sie den ‚arischen Nachwuchs‘ förderten.[1]

Abgesehen von Vorformen in der Antike (etwa dem Kybele- und Attiskult im antiken Rom) war der Muttertag ursprünglich die Erfindung einer Frauenrechtlerin namens Anna Marie Jarvis aus West Virginia (USA). Nach dem Tod ihrer Mutter Ann Maria Reeves Jarvis am 9. Mai 1905 hatte sie die Idee, nicht nur an das Werk ihrer eigenen Mutter, die sich selber politisch aktiv für die Rechte der Frauen, etwa für das Wahlrecht, engagierte, zu erinnern. Vielmehr ging es der Methodistentochter um die Sensibilisierung für die Bedeutung von Müttern und ihrer sozialen und politischen Rolle in der Gesellschaft.

„Schafft einen Ehrentag der Mutter – setzt diesen Frauen ein unvergängliches Denkmal“ lautete ihre Forderung, mit der sie sich an Vertreter von Kirche und Staat wandte. Am zweiten Maisonntag des Jahres 1908 fand der erste offizielle Muttertag in der St. Andrew’s Methodist Episcopal Chruch statt. 1914 erklärte Präsident Wilson den Muttertag zum offiziellen Feiertag.

Die Botschaft, die von diesen Ereignissen ausging, verbreitete sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der westlichen Welt und bereicherte wie zahlreiche Neuerungen dieser Zeit auch das deutsche Brauchtum. So ergriff der Verband Deutscher Blumengeschäftsinhaber die Muttertagsinitiative, indem der Verbandsvorstand 1922 gleichzeitig mit der Einführung des Muttertags in Deutschland den Werbeslogan „Lasst Blumen sprechen!“ beschloss.[2] Diese Initiative, eine deutsche ‚Muttertags-Bewegung‘ zu schaffen, geht auf einen gewissen Dr. Rudolf Knauer zurück, der, als er aus Amerika von der Idee erfährt, mit Enthusiasmus und großem Geschick für eine Feier zu Ehren „der stillen Heldinnen unsers Volkes“ warb. Knauer wurde dann Anfang 1923 selber zum Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Blumengeschäftsinhaber gewählt.[3] 

Der feministische Ursprung des Muttertags, wie er seiner Begründerin Anna Jarvis einst vorschwebte, ist heutzutage weitestgehend in Vergessenheit geraten. Sie selbst hatte sich Zeit ihres Lebens gegen eine Kommerzialisierung des Muttertages gewendet, etwa indem sie in aller Deutlichkeit erklärte: „I wanted it to be a day of sentiment, not profit“. Einen Gedenktag wollte Anna Jarvis etablieren – keinen Geschenktag.[4]

 

 


[2] Vgl.: Verbandszeitung Deutscher Blumengeschäftsinhaber vom 23.09.1923.

[3] Vgl.: Karin Hausen Geschlechtergeschichte als Gesellschaftsgeschichte (Kritische Studien zur Geschichtswissenschaft, hg. von Gunilla Budde u.a., Bd. 2020), 2013, bes. 255 – 302, hier: S. 259ff.


"Markenzeichen des christlichen Glaubens" (Heinz-Dieter Neef)

Amen

„So sicher wie das Amen in der Kirche“ lautet ein altes Sprichwort. Gemeint ist, dass etwas Bestand hat, weil es mit Gewissheit festgestellt worden ist, oder auch dass auf etwas Verlass ist, weil es mit Sicherheit eintreffen wird. Wer von Euch schon mal in einem Gottesdienst war, hat sicherlich bemerkt, dass das Wort Amen in der Liturgie recht häufig verwendet wird. Es ist wie andere hebräische Worte (z.B. die Worte Halleluja und Hosianna) „wörtlich fortlebendes Gut der jüdischen Gebetssprache“ (Die Lehren des Judentums nach den Quellen, Bd. III, hg. von Walter Homolka, S. 427)

In dieser Verwendung hat es die Bedeutung einer Bestätigung und Bekräftigung vorangehender Aussagen. So etwa, wenn es am Schluss des Glaubensbekenntnisses gesprochen wird; und somit die ersten beiden Worte, nämlich ‚ich glaube‘, die sich auf die dann folgenden Glaubensinhalte als Gegenstände des Glaubens beziehen, gleichsam unterstreicht, im wörtlichen Sinne von ‚ja, so ist es‘. Dieser Zusammenhang von affirmativer Bestätigung (so ist es, hebr. amen) und Glaubensvollzug (ich glaube, hebr. aman) ist schon in der gemeinsamen Sprachwurzel der beiden hebräischen Wörter angelegt: Vertrauen ist Garant für das Fortbestehen, heißt es bei Jesaja (Kapitel 7 Vers 9), womit Glauben im Sinne von Vertrauen ein die individuelle wie die soziale Lebenspraxis bestimmendes Verhalten geworden ist.

In einer anderen Verwendung tritt das Wort Amen im Neuen Testament auf, wenn es zu Beginn von Aussagesätzen als Bekräftigungspartikel für das Gesagte artikuliert wird. Dann ist seine Bedeutung die, dass das Gemeinte mit Sicherheit eintreffen werde Zahlreiche Jesus-Worte werden mit ‚Amen, ich sage euch/dir‘ oder im Johannesevangelium mit ‚Amen, Amen, ich sage euch/dir‘ in diesem Sinne eingeleitet. So heißt es etwa im Lukasevangelium (Kap. 18 Vers 17 und Parallelen): „Amen ich sage euch: Wer das Reich Gottes nicht so annimmt wie ein Kind, der wird nicht hineinkommen.“ In diesem Jesuswort vereinigen sich wieder Haltung des Vertrauens/Glaubens und Praxis der individuellen und sozialen Lebensführung. Und mit den Worten Augustins (sermo 58): „Dein Credo sei für dich wie ein Spiegel. Betrachte dich in ihm, um zu sehen, ob du all das, was du zu glauben erklärst, auch wirklich glaubst (im Sinne von ‚auch wirklich lebst‘, M.F.).“

Nur in der gelebten Praxis des Vertrauens kann sich ereignen, also (für mich) wahr werden, und sich zeigen, nämlich (für dich) wahrhaft gelten, was Gegenstand des Glaubens ist: Gottes Gegenwart im Sinne der basileia tou theou.


Maria

Die katholische Kirche verehrt Maria, die Mutter Jesu, wegen ihres gläubigen Vertrauens und ihres Gehorsams auf den Anruf Gottes hin, als die bedeutsamste (‚vollkommenste‘) unter den Heiligen.

Zwei Monate des Jahres sind ihrer Verwehrung gewidmet, der Rosenkranzmonat Oktober und der Mai als der klassische Monat, in dem Maria auf besondere Weise verehrt wird. Er wurde von der Kirche zum Marienmonat erklärt. Die kennzeichnenden Marienandachten, Wortgottesdienste zu Ehren Marias, die aus einer barocken Frömmigkeitsform entstanden sind, gehen auf das 19. Jahrhundert zurück. Im Jahr 1855 fanden sie erstmals im Bistum Trier statt.

Schon dem vorchristlichen Frühlingsbrauchtum galt der Mai wegen des farbenfrohen Aufblühens der Natur als der schönste Monat des Jahres. Mit der Zueignung Marias wurde diese selbst zur ‚schönsten aller Blumen‘ erklärt.

Zugleich wird Maria als Sinnbild für die lebensbejahende Kraft des Frühlings und seine Fruchtbarkeit verstanden und deshalb als ‚Maienkönigin‘ verehrt. Ganz in der Tradition des ursprünglichen Maigebetes als Bitte um eine gute Ernte, ähnlich dem erbetenen Segen für die Felder und Früchte in dieser Jahreszeit.

Auch im Mai hat das Rosenkranzgebet eine besondere Bedeutung: In ihm wird Maria um Hilfe angerufen, wobei sie nicht selbst angebetet wird; wohl aber wird sie als Weg zu Jesus Christus gesehen. Papst Paul VI. erklärt in seiner Enzyklika ‚Mense Maio‘ (‚Im Monat Mai‘) vom 1. Mai 1965: „Maria ist immer die Straße, die zu Christus führt. Jede Begegnung mit ihr wird notwendig zu einer Begegnung mit Christus.“

Papst Franziskus in seinem ‚Papstbrief zum Rosenkranz im Mai‘ vom 25. April 2020 dazu eingeladen, „wieder neu zu entdecken, wie schön es ist, im Monat Mai zuhause den Rosenkranz zu beten“. Und er wendet sich an alle Gläubigen mit den Worten: „Wenn wir gemeinsam mit dem Herzen Marias, unserer Mutter, das Antlitz Christi betrachten, wird uns dies immer tiefer als geistliche Familie vereinen“

Und im Blick auf die Folgen der Corona-Pandemie heißt es weiter, dass die Betrachtung des Antlitz Christi mit dem Herzen Marias auch helfen könne, „diese Prüfungen zu bestehen.“

Maria, die uns als Mensch nahesteht, gibt die Möglichkeit, individuelle Anliegen im Gebet vor Gott zu tragen und Gottes Schutz zu erbeten. So heißt es in einem alten Kirchenlied:

„Maria breit‘ den Mantel aus

Mach' Schirm und Schutz für uns daraus

Lass‘ uns darunter sicher steh’n

Bis alle Stürm‘ vorüber geh’n

Patronin voller Güte

Uns alle Zeit behüte.“


Das Kreuz

„Das Kreuz ist das zentrale Symbol, das Erkennungs- und Bekennungszeichen des christlichen Glaubens.“[1]

Zurzeit Jesu war das Kreuz ein Hinrichtungsinstrument, bestehend aus einem ‚Pfahl‘, der bei den Römern in der Regel einen Querbalken trug. Die Kreuzigung zählte in der Antike zu den schlimmsten, ja zur schwersten Todesstrafe. Der antike Historiker Flavius Josephus lässt einen jüdischen Soldaten die Kreuzigung für die ‚erbarmungswürdigste Todesart‘ erklären. Es waren vor allem Sklaven und Aufständische, die auf diese Weise zu Tode gebracht wurden.

Doch ist auffällig, dass „bis gegen Ende des 2. Jahrhunderts (nirgends) mit Sicherheit oder auch nur Wahrscheinlichkeit ein auf Jesus sich beziehendes Kreuz(zeichen) zu finden (ist)“.[2] Die frühen Christen verwendeten als Erkennungs- und Bekennungszeichen das Christusmonogramm; die in diesem Monogramm übereinander geschriebenen Buchstaben Chi und Rho des griechischen Alphabetes stehen für die ersten beiden Buchstaben des Wortes ΧΡΙΣΤΟΣ (Christus). 

Doch schon bei Paulus hat sich das Wort ‚Kreuz‘ von der bloßen Bezeichnung des Hinrichtungsinstruments sprachlich gelöst und ist zu einer theologischen Chiffre geworden. „Das ‚Wort vom Kreuz‘ (1 Kor 1,18) lässt sich eben nicht paraphrasieren: ‚das Wort von dem antiken Hinrichtungsmittel Kreuz‘, sondern ‚Kreuz steht hier für einen theologischen Sachverhalt […].“ Dies zeige pars pro toto, „dass vom historischen Kreuz kein direkter Weg zur theologischen Rede vom ‚Kreuz‘ führte“.[3] Bei Paulus wird der ‚Gekreuzigte‘ (1 Kor 2,2; vgl. Gal 3,1) zum Inbegriff der christlichen Heilsbotschaft (vgl. Phil 2,8).“[4]

Damit „(setzte) die Umdeutung des Kreuzes vom Straf- und Exekutionswerkzeug zum universalen (nun soteriologischen) Heilszeichen (ein)“. [5] „Nachweisen lässt sich das Kreuz als generelles christliches Symbol erst seit der Zeit der Völkerwanderung (372 – 568 n. Chr.). Oft wird das Konzil von Ephesos (431) als ‚offizielle Einführung‘ des Kreuzes als christliches Zeichen genannt.“[6]

In diesem Sinne verstehen wir das Kreuz und den Gekreuzigten noch heute als Erkennungs- und Bekennungszeichen sowie als zentrales Symbol des christlichen Glaubens: „Von diesem Bekenntnis her steht das Kreuz für einen alle theologischen Themen angehenden Sachverhalt, der über die historische Kreuzigung Jesu weit hinausgeht, jedoch an deren Konkretheit zurückgebunden bleiben muss, soll das Kreuz nicht zur bloßen Chiffre werden. – Die Deutung des Todes Jesu am Kreuz als Erlösung erfolgt im Licht der Auferstehung, die jedoch das Kreuz nicht aufhebt, sondern […] zur Sprache bringt, dass Gott selbst sich zur Erlösung des Menschen in Jesus Christus Leiden und Tod aussetzt.“[7]

Die sprichwörtliche Redewendung, dass jeder sein eigenes Kreuz trage, geht übrigens auf ein authentisches Jesus-Wort zurück. In Mt 16,24f. heißt es: 24 Darauf sagte Jesus zu seinen Jüngern: Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach. 25 Denn wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden. Helmut Merklein merkt dazu an: „Die Rede vom ‚Kreuztragen‘, ursprünglich eine Metapher für die Martyriums-Bereitschaft, wird im Kontext der Evangelien zum Bild für die Radikalität der von allen verlangten Nachfolge Jesu, die grundsätzlich den Einsatz des Lebens und konkret die ‚tägliche‘ Bewährung verlangt.“[8] Wie aber sieht diese ‚tägliche Bewährung‘ ganz konkret aus? Was ist unter dem Kreuz, das jeder trägt, zu verstehen? Alles, was uns das Leben erschwert: Krankheit, Schmerz, Leiden, Verlust etc., kann unter ‚Kreuz‘ zusammengefasst werden. Und es stellt sich dann die Frage, wie wir mit solchen, ganz konkret erlebten Situationen umgehen: Wie gelingt es mir, diesen Situationen einen Sinn zu verleihen, nicht an ihnen zu verzweifeln. Das Bistum Augsburg empfiehlt in ignatianischer Manier folgendes: „Die Kreuze in unserem Leben haben dann einen Sinn, wenn wir entdeckten, dass das Kreuztragen bedeutet, Jesus nachzufolgen. Wenn wir unser Kreuz mit dem Kreuz Jesu verbinden, dann hat auch das Leiden in unserem Leben einen Sinn.“[9]

 


[1] Gisbert Greshake, Art.: Kreuz, in: LThK, Bd. 6 (2009), Sp. 441.

[2] Heinz-Wolfgang Kuhn, Jesus als Gekreuzigter in der frühchristlichen Verkündigung bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Vol. 72, Nr. 1 (1975), S. 1 – 46, hier: S. 15.

[3] Heinz-Wolfgang Kuhn, Jesus als Gekreuzigter in der frühchristlichen Verkündigung bis zur Mitte des 2. Jahrhunderts, in: Zeitschrift für Theologie und Kirche, Vol. 72, Nr. 1 (1975), S. 1 – 46, hier: S. 29.

[4] Helmut Merklein, Art.: Kreuz: II. Biblisch-theologisch, in: LThK, Bd. 6 (2009), Sp. 443.

[5] Franz Wolfinger, Art.: Kreuz: I. Religionsgeschichtlich, in: LThK, Bd. 6 (2009), Sp. 442.

[7] Eva-Maria Faber, Art.: Kreuz. III. Systematisch-theologisch, in: LThK, Bd. 6 (2009), Sp. 445.

[8] Helmut Merklein, Art.: Kreuz: II. Biblisch-theologisch, in: LThK, Bd. 6 (2009), Sp. 442. 


Über das Unterwegssein

"Ich hoffe auf dich für uns"

Gewiss: Ein Spaziergang kann nicht schaden – sei es, um auf andere Gedanken zu kommen oder um die Natur zu genießen. Oder auch in Gedenken der zwei zentralen Ereignisse, von denen das Lukasevangelium berichtet, die für das Christusbekenntnis grundlegend sind.

Schon Johann Wolfgang von Goethe war der Osterspaziergang wohlbekannt, wenn er aus dem Munde seines Faust feststellen lässt: „Jeder sonnt sich heute so gern. – Sie feiern die Auferstehung des Herrn.“  Die Auferstehung des Herrn, die Goethe hier erwähnt, wird in den Evangelien mit der Rede vom ‚leeren Grab‘ beschrieben. So heißt es bei Lukas: „Am ersten Tag der Woche gingen die Frauen mit den wohlriechenden Salben, die sie zubereiten hatten, in aller Frühe zum Grab. Da sahen sie, dass der Stein vom Grab weggewälzt war; sie gingen hinein, aber den Leichnam Jesu, des Herrn, fanden sie nicht.“ (Lk 24, 1 – 3)

Das Evangelium vom Ostermontag nach Lukas (Lk 24,13 – 35) handelt davon, wie der Auferstandene zwei Jüngern des vorösterlichen Jesus bei ihrem Gang nach Emmaus erschien. Zunächst von ihnen unerkannt, schließt sich der Auferstandene ihnen an, sprach mit ihnen über die Ereignisse der letzten Tage und nahm an ihrer Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit teil. Erst am Abend, als sie gemeinsam zu Tische saßen, zeigte sich ihnen der Auferstandene auf die Weise, in der sie ihn erkennen konnten, indem der das Brot brach, den Segen darüber sprach und es ihnen reichte. „Da wurden ihnen die Augen aufgetan“ – heißt es bei Lukas (Lk, 24, 31) – „und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken.“

Der Tod Jesu am Kreuz, leere Grab als Zeichen der Auferstehung und das Erscheinen des Auferstandenen denen, die dem vorösterlichen Jesus gefolgt waren, gehören zusammen: Jesu konsequentes, am Willen Gottes, des Vaters, orientiertes Handeln, indem er letztlich den Tod am Kreuz zum Heil der Menschen auf sich nimmt, wäre bloß „eines der vielen Opfer der Geschichte“ (Raymon Jahae). Wenngleich er seine Glaubwürdigkeit allein mit dem Tod am Kreuz keineswegs schon verloren hätte, bedurfte es dennoch der Osteroffenbarung, falls die in ihm begründete Hoffnung nicht alsbald in Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung umschlagen soll.

Die im Lukasevangelium (aber auch in den anderen Evangelien) überlieferte Zeugnis vom Christusereignis ist nichts anderes als das Zeichen jener Hoffnung, die der christliche Philosoph Gabriel Marcel in Anlehnung an den Gott des Paulus im Römerbrief, „der die Toten lebendig macht und das, was nicht ist, ins Dasein ruft“ (Röm 4,17), in die Worte kleidet: „Ich hoffe auf dich für uns“.


Das Lumen Christi

Die Osterkerze

Die Osterkerze wird im ersten Teil der Ostervigil (wörtlich Osternachtwache) geweiht. Nach einer bis ins 2. Jahrhundert zurückreichenden Tradition wird dieser Teil auch Lichtfeier oder nach dem lateinischen Wort Lucernarium auch Luzernar. Die frühen Christen verehrten in dieser Feier Jesus Christus als das ‚heitere Licht des herrlichen Glanzes seines unsterblichen Vaters‘. Ganz im Sinne des johanneischen Jesuswortes: „Ich bin als Licht in die Welt gekommen, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt“ (Joh 12,46).

In der Lichtfeier der Osternacht wird die Osterkerze entzündet und berennend gesegnet. Das als Osterfeuer gesegnete Feuer wird traditionell aus den Funken aneinander geschlagener Feuersteine entfacht. Mit einem Wachsdocht wird dieses Feuer auf die Osterkerze übertragen. Die Osterkerze, gefertigt aus gebleichtem Bienenwachs, trägt eine mit aus Wachs gefertigte Replika des Kreuzes, dem Symbol der Überwindung des Todes im Glauben an die Auferstehung, gleichfalls aus Wachs eine Replika der Buchstaben Alpha und Omega, des ersten und letzten Buchstabe des griechischen Alphabetes (als Verweis auf das Jesuswort in Offb. 22,13: „Ich bin das A und das O, der Erste und der Letzte, der Anfang und das Ende“, und das Jahr, in dem die Kerze geweiht wird. Zudem werden fünf Wachsnägel je zusammen mit einem Körnchen Weihrauch in die vorgebohrten Löcher eingesetzt. Sie stehen für die fünf Wundmale Jesu. Anschließend wird die Osterkerze in einer Prozession in den Kirchenraum getragen. Dabei wird der Weg dreimal durch den ‚Lumen Christi‘-Ruf unterbrochen. 

In den ersten Jahrhunderten versammelten sich Christen oft nach Sonnenuntergang, und zu diesen Versammlungen gehörte zu deren Beginn das Luzernar, bei dem Gott für das in Jesus Christus erschiene Licht gedankt wird. Öllampen, so zeigen archäologische Funde um 400, wurden mit dem Christusmonogramm und den Worten ‚Deo gratias‘ versehen. Literarisch bezeugt ist der Lumen Christi-Ruf aus den Benediktinerklöstern: „Wenn es sich trifft, dass die Nacht während des Essens hereinbricht und es nötig wird, ein Licht anzuzünden, dann sagt der Bruder, der das Licht hereinbringt, mit lauter Stimme, sodass es alle hören können: ‚Lumen Christ‘, und alle erwidern: ‚Deo gratias.‘“

Wer nun aber die Segnung der Osterkerze (benedictio cerei) eingeführt hat, wissen wir nicht. Die IV. Synode von Toledo (633 n.Chr.) spricht davon, dass die Segnung der Osterkerze im 7. Jahrhundert noch nicht allgemeiner Gebrauch gewesen sei und befiehlt im neunten Kanon ihre allgemeine Einführung mit der Begründung, „dass der Segen dieser Kerze uns veranlasst, über das heilige Geheimnis der Auferstehung nachzudenken, das die leuchtende Herrlichkeit des neuen Lebens in Jesus Christus ist (Propter gloriosum enim noctis ipsius Sacramentum solemniter haec benedicimus, ut sacrae resurrectionis Christi mysterium, quod tempore huius votivae noctis advenit, in benediction sanctificati luminis suscipiamus).”

Auch im Exsultet ist von der Osterkerze als dem Lumen Christi die Rede, allerdings unter Einbezug des Verhältnisses das die Gläubigen zu dem (in Christus erschienenen) Licht einnehmen. So heißt es in Vers 5 (übers. von N. Lohfink): „Daß er, der mich von sich aus in die Zahl der Leviten gerufen hat, mich fülle mit dem Glanz seines Lichtes und durch mich das Lob dieser Kerze wirke.“ Ganz ähnlich heißt es in 2. Kor 4,6: „Denn Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit aufstrahlt die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi.“

Die brennende Osterkerze ist Symbol des auferstandenen Herrn, des Lichtes der Welt. Augustinus erklärt in einer Osterpredigt: „Denn Gott, der da hieß das Licht aus der Finsternis hervorleuchten, der gebe einen hellen Schein in unsere Herzen, damit wir innen ein Gleiches tun wie das, das wir in diesem Haus des Gebets mit dem Anzünden von Lichtern getan haben.“[1]

 


[1] Zitiert nach: Dietrich Schuberth, Über Ursprung und Sinn der Osterkerze, in: Jahrbuch für Liturgik und Hymnologie, Vol. 12 (1967), S. 94 – 100, hier: S. 99.

Palmsonntag

Der sechste Sonntag der Fastenzeit, der Palmsonntag, markiert den Beginn der Karwoche mit dem Triduum Sacrum, den ‚heiligen drei Tagen‘, dem Teil der heiligen Woche, der mit der Messe vom letzten Abendmahl Jesu am Gründonnerstagabend beginnt, sich vom Karfreitag, dem Gedenken des Leidens und Sterbens, über den Tag der Grabesruhe, den Karsamstag, erstreckt und mit der Feier der Auferstehung in der Nacht zum Ostersonntag endet.

Der Wortbestandteil ‚Kar‘ im Kompositum ‚Karwoche‘ stammt aus dem Althochdeutschen und bedeutet "Trauer", "Klage" oder "Kummer". In Erinnerung an den Einzug Jesu in Jerusalem versammeln sich am Palmsonntag die Gläubigen zur Segnung der Palmzweige. Bei Matthäus heißt es:

8 Viele Menschen breiteten ihre Kleider auf dem Weg aus, andere schnitten Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg. 9 Die Leute aber, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna dem Sohn Davids! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn. Hosanna in der Höhe!  10 Als er in Jerusalem einzog, erbebte die ganze Stadt und man fragte: Wer ist dieser? 11 Die Leute sagten: Das ist der Prophet Jesus von Nazaret in Galiläa.“ (Mt 21,8 – 11)

Bereits im vierten oder fünften Jahrhundert wurde des Einzugs in Jerusalem in Form einer Prozession gedacht; im elften und zwölften Jahrhundert war die Palmsonntagsprozession in vielen Teilen Europas schon Tradition.

Im deutschsprachigen Raum werden fast immer Buchsbaumzweige oder Weidenkätzchen gesegnet. Gesegnete Zweige gibt es heute in eli.ja. Sie wurden heute Morgn gesegnet und liegen für Euch bereit. Natürlich unter den zur Zeit gängigen Hygienevorschriften. Nehmt euch welche mit nach Hause und schmückt damit das Kreuz in eurer Wohnung!


Kerzenhalter mit Steinen

Heute haben wir einen Bastelimpuls für euch.

was ihr an Material braucht: ein paar Kieselsteine, eine Kerze, eine Heßklebepistole oder Sekundenkleber, Acrylfarbe und eine Fliese / eine Holzplatte / ein Teller als Boden.

Bemalt die Steine mit je einem Gesicht, das ein Gefühl oder ein Anliegen repräsentiert, was euch gerade beschäftigt. Klebt die Steine im Halbkreis um die Kerze herum auf. Zündet die Kerze an und nehmt euch einem Moment Zeit sie zu beobachten und eure Anliegen vor Gott zu tragen.

Eine schöne Dekoidee :) Wenn ihr keine gute Unterlage habt, könnt ihr die Steine auch einfach so um die Kerze herum aufstellen.
Viel Freude beim Basteln!


Von Osterlämmern und dem einen Lamm Gottes

Vielen läuft schon das Wasser im Mund zusammen, wenn sie das Wort ‚Osterlamm‘ bloß hören oder, wie gerade hier, lesen, denn sie verbinden damit in Gedanken den Geschmack von leckerem Backwerk oder einem guten Stück Fleisch. Das Osterlamm erscheint unter diesem Gesichtspunkt wie übrigens auch das Osterei als kulinarische Spezialität zum Osterfest am Ende der an Speisen eher kargen und auch sonst verzichtreichen Wochen der Fastenzeit.

Die Ursprünge dieser Tradition reichen bis ins frühe Judentum zurück. So sind das Schächten und der Verzehr von Lämmern ein zentraler Bestandteil des jüdischen Pascharituals, das in Erinnerung an den Auszug Israels aus Ägypten begangen wird. In der hebräischen Bibel (Ex 12, vgl. Num 9,1-4; Dtn 16,1-8) heißt es, dass Gott jeden Erstgeborenen der Ägypter töten, an den Häusern der Israeliten jedoch vorbeigehen werde, wenn er den mit dem Blut eines Lammes eingestrichenen Türpfosten erblickt (Ex 12,13). Somit tritt das Lamm, indem es geschlachtet wird, sowohl in einer den Tod abwendenden als auch in einer die Befreiung aus der ägyptischen Gefangenschaft ermöglichenden Funktion in Erscheinung.   

Dieses Bild übertrug der Prophet Jesaja auf seinen ‚Gottesknecht‘, einer prophetischen Gestalt, der vier Lieder gewidmet sind (Jes 42,1-9; Jes 49,1-9; Jes 50,4-9; Jes 52,13-53,12). Im Zentrum des vierten Liedes steht ein leidender Gerechter, der sein Leid nicht nur hinnimmt, sondern selber zum Opfer wird, das die Schuld der Täter sühnt. So heißt es: Wie ein „Lamm, das man zum Schlachten führt“ (Jes 52,7), erträgt er das Leid, und sein Leben wird „als Schuldopfer“ hingegeben werden (Jes 52,10).

Das Neue Testament identifiziert diesen Gottesknecht mit Jesus Christus. Johannes der Täufer spricht von Jesus als dem „Gottes Lamm, das die Sünden der Welt hinwegnimmt“ (Joh 1,29). Zudem wird mit der Lamm-Gottes-Symbolik auch der Bezug zum Paschalamm und damit zum Pascharitual hergestellt. Dem Bericht der drei synoptischen Evangelien zufolge fand Jesu letztes Abendmahl in der Nacht zum Paschafest (oder Pessachfest) statt, womit die enge Verbindung von Eucharistie und Lammsymbolik in Kraft gesetzt worden ist.  

In der christlichen Ikonographie sehen wir oft ein Lamm abgebildet, das eine Fahne mit dem Christusmonogramm trägt. Die in diesem Monogramm übereinander geschriebenen Buchstaben Chi und Rho des griechischen Alphabetes stehen für die ersten beiden Buchstaben des Wortes ΧΡΙΣΤΟΣ (Christus). Als Attribut des Lammes deutet diese Osterfahne wie auch die Siegesfahne (rotes Kreuz auf weißem Grund)  darauf hin, dass in der Auferstehung Jesu Christi der Tod überwunden ist. Zu der Überzeugung der ersten Christen, dass Jesus für die Vergebung unserer Sünden den Kreuzestod erlitten habe, tritt nun die Hoffnung, dass mit seiner Auferstehung der Tod überwunden sei.

In diesem Sinn feiern Christen in aller Welt an Ostern, dass Gott in Jesus Christus seine bedingungslose Liebe allen Menschen geschenkt hat, oder mit den Worten des Johannesevangeliums: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3,16)

Ostern, das Fest der Auferstehung, ist also mehr als nur ein kulinarischer Höhepunkt.


Lass Kirche in dein Wohnzimmer kommen!

Richte dir zu Hause eine Gebtsecke ein, dort, wo du gerne zur Ruhe kommst, wo du dich wohl fühlst. Vielleicht auch dort, wo du den Livestream Gottesdienst mitfeierst. Sei kreativ :) Schick uns ein Bild davon dazu an: eli.ja(at)bistum-trier.de oder per whatsapp an 0160 97287917 oder hier per facebook. Wir sind gespannt auf euer "Homeoffice" fürs Gebet.
#KircheimWohnzimmer
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Und hier einige eurer Gebetsecken, die ihr uns geschickt habt


Eine Spurensuche

Hase, Ei und Ostern. Wie hängt das miteinander zusammen?

Hier könnt ihr den Artikel als PDF downloaden.

Der Osterhase im Volksglauben

Seine wahrscheinlich früheste literarische Erwähnung findet der Volksglaube an den Osterhasen in der Abhandlung „De ovis paschalibus – Von Oster=Eyern“, die der Mediziner und Botaniker Georg Franck von Franckenau 1682 unter dem Namen seines aus Frankfurt am Main stammenden Dokto­randen Jo­hannes Richier veröffentlichte. Dort wird von Eiern berichtet, die in Oberdeutschland, in der Pfalz, im Elsass und benachbarten Regionen sowie in Westfalen „Hasen-Eier“ genannt werden. Für Georg Franck von Franckenau handelt es sich dabei um „eine Fabel, mit der sie Einfältigen und Kindern  weismachen, dass der „Oster-Hase“ diese Eier lege und sie in Gärten im Gras, unter Sträu­chern und Büschen etc. verstecke, wo sie unter dem Gelächter und zum Vergnügen der Erwachsenen von den Kindern mit großem Eifer gesucht würden“.[1]

Zunächst hatte der Osterhasen weitere Gefährten, die wie er die Eier lieferten. So konnte noch Pfarrer Gottlieb Jakob Kuhn (1732 – 1793) festhalten: „Lieblich, und der poetischen Darstellung wür­dig, schien mir der im Emmenthale waltende Kinderglaube, daß nicht der Osterhase, sondern der Ku­ckuck die bunten Eyer bringt, in von Primeln, Geißglöckchen (Anemone nemorosa) oder in Ermange­lung derer, nur von Hasel- und Weiden-Kätzchen gemachte Nester legt, und dadurch der Kinderwelt ein willkom­menes Frühlings-Fest bereitet.“[2] Auch in Teilen der Schweiz, etwa im Kanton Zug und teil­weise im Kan­ton Luzern liefert der Kuckuck die Ostereier. In Thüringen, Fürstenfeldbruck (Oberbay­ern) und Schles­wig-Holstein ist der Hahn der Überbringer. In Teilen Thüringens auch der Storch, in Westfalen gebiets­weise der Fuchs.[3] Im Laufe des 19. Jahrhunderts konnte sich der Hase, zunächst in Süddeutschland als Überbringer der Eier gegen seine Konkurrenten zunehmend durchsetzen, so dass zum Beginn des 20. Jahrhunderts die Rede „vom Hasen, der die Eier gelegt habe“, am verbreitetsten war.[4]

Wie so vieles Heilbringende, müssen auch die Ostereier versteckt und gesuchtwerden, was auch „Os­terhas jagen“ genannt werde.[5] Das wohl älteste Zeugnis für das Verstecken der Eier stammt von Abt Jakob Vogler vom Kloster Schuttern, der in seinem Tagebuch zum 16. April 1691 anmerkt: „Den hiesi­gen Kindern verstecke ich Ostereier im Garten.“[6]„Für Kinder versteckt man gekochte und bunt­gefärbte Eier in den Winkeln der Stube, oder, wenn das Wetter es zuläßt, im Garten. Man macht auch wohl ein Nest von Moos und setzt einen Haasen darauf. Dann suchen die Kinder die Eier, die der „Haas“ oder „Osterhaas“ gelegt hat.[7]

Johannes Maringer führt die Ursprünge dieses Volksglaubens bis ins 3. Jahrtausend zurück, wenn er in seinem Aufsatz „Der Hase in Kunst und Mythe der vor- und frühgeschichtlichen Menschen“ erklärt, dass der Hase bereits im hethitischen Brettspiel eine prominente Rolle gespielt hat, wobei das Spiel „kein rein profaner Zeitvertreib, sondern ein spielerischer Nachvollzug mythischer Geschehnisse“ ge­wesen sei. In dem Spiel ging es darum, die Hasen, die durch Setzsteine vertreten wurden, zu jagen. Wie nun der Hase zu den bemalten Eiern gekommen sei, erklärt sich Maringer damit, dass die ältes­ten Setzsteine aus dem antiken Sieglungshügel Tell Brak in Nordsyrien (3. und 2. Jahrtausend v. Chr.) hal­bierte Eier aus Stein oder gebranntem Ton waren, denen die Ohren des Hasen eingeritzt sind. Und sie alle seien mit roter Farbe bemalt. Für Maringer ist es daher „nicht erstaunlich, daß der Osterhase sie bringt und sie laufend eingesammelt werden müssen“.[8]

 

Der Hase als Symbol der Auferstehung

Im Physiologus wird der bergauf flüchtende Hase als Sinnbild des Christen gedeutet, der sich vor dem Teufel zu Jesus rettet: „Des Hasen hat David gedacht: Der Felsen ist den Hasen eine Zuflucht. Der Phy­siologus sagt von ihm: Er ist ein guter Läufer. Wenn er gejagt wird, flieht er in felsiges und anstei­gendes Gelände, und dann werden die Hunde samt dem Jäger müde und haben nicht die Kraft ihn zu erjagen, und so kommt er heil davon. Wenn er sich aber zu abschüssigem Gelände wendet, kann er nicht so gut rennen, weil seine Vorderbeine zu kurz sind, und im Nu faßt ihn der Hund. Und deshalb sucht er die Stellen, wo es nach oben geht. - So auch du, Mensch, so du verfolgt wirst von den feindli­chen Mächten samt dem Jäger, dem Teufel, der Tag für Tag darnach trachtet dem Menschen nach dem Leben zu stellen: suche den Felsen und die Höhen, von welchen auch David sagt: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen, woher mir Hilfe kommen wird. - Denn wenn der Böse sieht, daß der Mensch nach abwärts läuft und auf das Irdische bedacht ist und auf das, was dieses Leben zu bieten hat, dann kommt er ihm nur um so eifriger nahe mit seinen Schlichen! Wenn er aber sieht, daß der Mensch läuft nach dem Willen Gottes und aufsucht den wahren Felsen, unseren Herrn Jesus Christus, und daß er die Anstiege der Tugenden hinangeht, dann wendet er sich um wie ein Hund nach dem Worte Davids: Abwenden sollen sich nach rückwärts und in Schmach und Schande fallen soll die, so mit Böses wollen.“[9]

Allgemeine Aussagen über die körperlichen Besonderheiten und die Verhaltensweisen des Hasen wer­den im Physiologus mit religiösen Spekulationen verbunden. Unter dem Titel ‚Physiologus‘ wurde wahrscheinlich um 200 n.Chr. in Alexandria eine Reihe von belehrenden Texten insbesondere über Tiere zusammengestellt, die ursprünglich aus sehr unterschiedlichen Quellen stammten. Gemeinsam ist all diesen Texten, dass bestimmt Sachaussagen auf den so genannten Physiologus (Naturforscher) als naturkundliche Autorität zurückgeführt wurden. Seine Aussagen wurden dann von einem christli­chen Autor im Hinblick auf Christus, die Gläubigen, den Teufel usw. allegorisch ausgedeutet. Wenn heute vom Physiologus gesprochen wird, dann ist vor allem diese religiöse Kommentierung der ur­sprünglichen naturkundlichen Beschreibungen gemeint. Der Physiologus stellt also die christliche Be­arbeitung eines rein naturkundlich orientierten Werkes eines ‚Naturkundigen‘ (physiológos) dar.[10]

Im Alten Testament tritt der Hase an zwei Stellen prominent in Erscheinung. So heißt es in Ps 104, 18: „Die Steinklüfte sind den Hasen Zuflucht.“ (Vgl. Spr. 30,26: „Hasen, ein schwaches Volk; dennoch legt es sein Haus in den Felsen.) Didymus der Blinde (310 – 398) erklärt dazu in seiner Paränese: „Und auch du, obwohl du ein schwaches Wesen bist, nimm Zuflucht zum Felsen des wahren Glaubens und richte dein Leben auf ihn aus. Auf Tagen gestützt kommt man ins Reich, verzweifle also wegen deines schwa­chen Glaubens nicht am Himmelreich, sondern befolge im Vertrauen auf dessen Verheißung die Ge­bote, deren Erfüllung die Verheißung eintreffen läßt.“ (PG 39, 1644A)

Johannes Bapt. Bauer kommt angesichts der griechischen Texte zu dem Schluss: „[…] der Hase wurde ursprünglich auf den Heiden, auf den Katechumenen gedeutet, der zu Christus kommt. […] Der Hase, der sein Haus auf den Felsen gebaut hat, der Ungläubige, der durch die Taufe seine Existenz auf Chris­tus gegründet hat, er allein hat Hoffnung auf ein neues Leben.“ Ganz ähnlich gelte für die latei­nischen Texte: „Galt der Hase als das animal salacissimum (das geil machende, seinen Trieben freien Lauf las­sende Tier, M.F.), so ist er das Bild des noch nicht zum Glauben gekommenen, in seinen Leidenschaften und Sünden verstrickten Heiden. Dieser wendet sich aber mit seinem ganzen Wesen zu Christus, grün­det sein Haus auf den Felsen, indem er zum Glauben kommt.“[11]

Ambrosius von Mailand (339 – 397) war es schließlich, der den Hasen als Symbol für die Auferstehung ins Spiel gebracht hat.[12] Um die Verwandlung bei der Auferstehung zu erklären, führt unter anderem den (Schnee-)Hasen als Beispiel an: Was wir von den Hasen am leichtesten lernen können, ist, dass ihr Fell im Winter weiß wird, während im Sommer die Farbe zweifelsfrei wieder zurückkehrt. Das führt mich dazu, dass auf den Glauben an die Verwandlung hin, die in der Auferstehung bestehen wird, uns dieses Beispiel herausfordert, aber so, dass wir von jener Verwandlung sagen, was der Apostel in al­ler Deutlichkeit so ausgedrückt hat: ‚Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwan­delt werden‘, und weiter heißt es: ‚die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden ver­wan­delt werden. Denn dieses Verwesliche muss anziehen Unverweslichkeit, und dieses Sterbliche muss anziehen Unsterblichkeit.‘ (1 Kor 15,51ff.)[13]

 

Der Hase in der christlichen Kunst

Immer wieder hat sich dann die bildende Kunst des Hasen angenommen. Im 16. und 17. Jahrhundert taucht er als Paradies­symbol in Bildern von Peter Paul Rubens (1577 - 1640) und Hans Baldung [Grien] (1484 - 1545) auf. Hier schwingt möglicherweise auch noch die Deutung des Hasen als (heidnisches) Fruchtbar­keitssymbol mit.[14] Auch in der Mariensymbolik tritt der Hase auf, etwa in der "Madonna mit dem Ka­ninchen" vom italie­nischen Renaissancemaler Tizian (1488 - 1576). Die in der christlichen Iko­nografie ungewöhnliche Darstellung einer Madonna mit dem Jesusknaben, die mit einem weißen Ha­sen spielt, kann hier christologisch gedeutet werden. Zusammen mit dem Korb mit Brot und Wein, einem Sinnbild für den Opfertod Christi, kann diese Darstellung als Hinweis auf die Wiederauferste­hung Christi nach dem Tode gelesen werden.[15]

 


[1]In Germania Superiore, Palatinatu nostrae, Alsatia et vicinis locis, et in westphalia vocantur haec ova di Hasen=Eier a fabula, qua simplicioribus et infantibus imponunt Leporem (der Oster=Hase) eiusmodi ova exludere, et in hortis in gramine, fruticcis etc. abscondere ut studiosius a  pueris investigentur, cum risu et jucunditate seniorum. (Johannes Richier: Disputatione ordinaria disquirens de ovis paschalibus. Von Oster-Eyern, in:Satyrae Medicae. Nr. XVIII. Heidelberg 1682, S. 6).

[2] Gottlieb Jakob Kuhn, Volkslieder, zweyte, ganz umgestaltete Ausgabe, Bern 1819, S. 161.

[3] Vgl.: Art.: Osterei, in: Handbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6, Sp. 1329.

[4] Vgl.: Art.: Osterei, in: Handbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6, Sp. 1329.

[5] Art.: Osterei, in: Handbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6, Sp. 1329.

[6] Art.: Osterei, in: Handbuch des deutschen Aberglaubens, Bd. 6, Sp. 1329

[7] Meier, Gebräuche, Nr. 65. Vgl.: Adalbert Kuhn (Hg.), Sagen, Gebräuche und Märchen aus Westfalen und einigen andern, besonders den angrenzenden Gegenden Norddeutschlands, Teil 2, Leipzig 1859, S. 143.

[8] Johannes Maringer, Der Hase in Kunst und Mythe der vor- und frühgeschichtlichen Menschen, in: Zeitschrift für Religions- und Geistesgeschichte, Vol. 30, Nr. 3 [1978], S. 219 – 228, hier: S. 225.226.

[9] Der Physiologus, übertragen und erläutert von Otto Seel, Stuttgart 1960, S. 47.48

[10] vgl. N. Henkel, Studien zum Physiologus im Mittelalter, 1976, S. 12ff.

[11] Johannes Bapt. Bauer, Lepusculus Domini: Zum alschristlichen Hasensymbol, in: Zeitschrift für katholische Theologie, Vol. 79, Nr. 4 (1957), S. 457 – 466, hier: 461 u. 463.

[12] Vgl.: LCI, Bd. 2, Sp. 221.

[13] Lepores certe, quod de proximo facile cognovimus, hieme albescere, aestate in suum post colorem redire non dubium est. Haec ideo libavi, ut ad commutationis fidem, quae in resurrectione futura est, etiam ista exempla nos provocent, sed ita ut commutationem illam dicamus, quam apostolus evidenter expressit dicens: ‚omnes quidem resurgemus, non omnes autem inmutabimur‘, et infra ait: ‚et mortui resurgent incorrupti et nos inmuta-bimur, oportet enim courruptibile hoc induere incorruptelam et mortale hoc induere inmortalitatem‘ (1 Kor 15,51f.)

[14] Quelle: www.svz.de/4255056 ©2020 (27.03.2020).


Hey, es geht weiter!

Hannah hat für uns "Hey" von Andreas Bourani gecovert. Danke dafür!
Hört doch mal rein:
 

"Wenn jeder Tag dem andern gleicht" - Im Moment steht alles irgendwie still. Das Gefühl, dass jeder Tag dem andern gleicht, dass man nicht einmal mehr weiß, welcher Tag eigentlich ist, stellt sich ein. Aber hey! Es ist okay auch mal unsicher zu sein, Angst zu haben. Aber hey! Auch das wird vorüber gehen, wir wissen nicht wann und wie, aber es wird vorbei gehen.

#durchhalten
#Nähewahren#Distanzhalten#stayathome
#andràtuttobene


Herkunft - symbolische Bedeutung - Brauchtum

Das Osterei

So beschreibt der Dichter Hoffmann von Fallersleben (1798 – 1874) im 19. Jahrhundert seine Erfahrungen mit der Ostereiersuche. Doch woher stammt der Brauch des Ostereis?

Schon früh in der Kulturgeschichte galt das Ei als Ursprung des Menschen oder des gesamten Universums. Und bereits Jahrtausende vor dem Christentum wurden Eierschalen gefärbt und aufwendig dekoriert.

In der christlichen Ikonographie gilt das Ei als Sinnbild für das Leben und die Auferstehung, für den Sieg des Lebens über den Tod. Schon im Urchristentum war das Ei eine gängige Grabbeigabe, um die Beziehung zur Auferstehung herzustellen. Das Ei als etwas, aus dem neues Leben entsteht.

Der Kirchenvater Augustinus (354 – 430) deutet in einer seiner Predigten das Ei als Symbol der Hoffnung und damit zugleich als Symbol für Christi Auferstehung. Dort heißt es:

„Es bleibt die Hoffnung, die, wie ich denke, mit einem Ei verglichen werden kann. Denn die Hoffnung ist noch nicht die Erfüllung ihres Gegenstandes; und ein Ei ist etwas, aber noch nicht das Huhn. […] Die Hoffnung ermahnt uns daher, geringzuachten, was uns gegenwärtig ist, und erwartend das zu schauen, was kommen wird. (Restat spes, quae, quantum mihi videtur, ovo comparatur. Spes enim nondum pervenit ad rem: et ovum est aliquid, sed nondum est pullus. […] Spes ergo ad hoc nos hortatur, ut praesentia contemnamus, futura exspectemus. [Sermo 105])”

Im 12. Jahrhundert führte die Kirche die feierliche Benedictio ovorum ein, die Segnung von Eiern oder anderen Osterspeisen. Zur Zeit des Papstes Paul V. (1605 – 1621) betete der Priester in der Ostermesse: „Segne, Herr, wir bitten dich, diese Eier, die du geschaffen hast, auf dass sie eine bekömmliche Nahrung für deine gläubigen Diener werden, die sie in Dankbarkeit und in Erinnerung an die Auferstehung des Herrn zu sich nehmen.“ Mit diesem Segensspruch wird das Ei nun ausdrücklich zum Symbol für die Auferstehung Christi erklärt.

… und so kam es zu den bunt bemalten hartgekochten Ostereiern.

Der Verzicht auf den Verzehr von Fleisch, aber auch von Eiern reicht bis ins Mittelalter zurück. Um die Eier über die Quadragesima, die ‚große‘, vierzig-tägige Fastenzeit hinaus haltbar zu machen, wurden sie hartgekocht; so waren sie an Ostern eine beliebte Speise.

Gefärbte Eier werden erstmals im 13. Jahrhundert erwähnt. Die traditionelle Farbe, mit der die Eier seit dieser Zeit bemalt wurden, ist die Farbe Rot. Mit ihr wurde an das Blut Christi beim Kreuzestod erinnert. Die rote Farbe bildete somit einen Kontrast zur harten und kalten Schale des Eis. Dieser Kontrast sollte den Übergang vom verschlossenen Grab Jesu, dem Tod, zur Auferstehung Christi, dem Leben, symbolisieren. 

Im Mittelalter waren Eier auch Zahlungsmittel. An Ostern als feststehendem Zahlungstermin bezahlten Bauern ihre Pacht für kirchliches Land mit Naturalien bei ihren Grundherren. Im Falkensteiner Codex wird erwähnt, dass viele Hofstätten an den Ostertagen jeweils 100 Eier abliefern mussten. So erschien im 14. Jahrhundert das Osterei in der Bedeutung „zu Ostern abzulieferndes Zinsei“.


Heute in 9 Monaten ist Weihnachten!

Letzte Weihnachten haben uns Menschen Bilder ihrer Krippen von zu Hause geschickt und uns gesagt, was Leben für sie bedeutet.

Schaut und seht:


Worüber staunst du?

Hört doch mal in diese Statements rein, worüber hier gestaunt wird:

Trotz und weil diese Krise ist - mal auf das Staunenswerte und Wunderbare in der Welt schauen!


Auf neuen Wegen

Dieses Lied, das für die Christmette 2017, von David und Vivienne geschrieben wurde, passt ganz gut in diese Tage:

Vielleicht kennen das einige von euch, sich alleine zu fühlen: "Ganz alleine. und ich frage dich: Hast du mich vergessen?"

Hört rein und lasst euch zusichern: "Siehst du mich nicht? Fühlst du es nicht? jeder Umweg, jeder Schleichweg. nicht immer sichtbar, bin ich doch da!"

Schön zu spüren, wer sich in diesen Tagen bei einem meldet, nach der Gesundheit erkundigt und seine Hilfe anbietet, wie Mensch und Gott für mich da sind - wenn ich es zulasse, wenn ich hin höre.

Diese Krise wird die Welt, wie wir sie kennen, verändern. Dann sind tatsächlich neue Wege erforderlich.
"Und ich lauf auf neuen Wegen! Hand in Hand mit dir. Auf neuen Wegen. Welch ein Jubel, welch ein Segen, du bist bei mir! Ich lauf auf neuen Wegen im Jetzt und hier."


Point of no return

Das Gefühl mit dem Rücken zur Wand zu stehen, kennen in diesen Tagen wohl viele. Es scheint kein Zurück zu geben. Gemeinsam müssen wir diese Situation bewältigen. Wir bleiben auf Abstand und halten doch Nähe. Hört doch mal in diesen Song von The GAP-Project rein:

 

Hier noch der Songtext zum Nachlesen:

Point of no return
Idee: Toni S. Text: Patrick W. Musik: The GAP-Project

If you should tryin´ one day to cross the great wide ocean
and leave the solid ground, the solid ground,
then you will come to the point where your way back home is further
than any goal around, any goal around… to solid ground.

When open waters are all around you the only way out is to get through.
That´s the lesson you learn at the point of no return... of no return.

Your decision to keep on swimming might be irrational, strange
and full of fear… of panic and fear.
Then you will look in your heart and your soul for a million reasons
they could tell you why you`re here – what brought you here... all alone right here.

Cause open waters are all around you the only way out is to get through.
That´s the lesson you learn at the point of no return... of no return.

Cause open waters are all around me the only way out is to get through.
That´s the lesson I learn at the point of no return.

#Nähewahren#Distanzhalten#imGebetverbunden#andràtuttobene



"Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist"

"Sag mir, dass dieser Ort hier sicher ist"

Sicherheit, ein sicherer Ort - danach sehnen wir uns in diesen Tagen. Und doch muss ich akzeptieren: Kein Ort scheint wirklich sicher zu sein. Ich bin ohnmächtig. Ich kann nichts tun.

"Diese Welt ist schnell
Und hat verlernt beständig zu sein"

Rasend schnell scheint sich etwas zu verbreiten, dessen Ausmaß wir nicht richtig einschätzen können…

Und was gibt mir Halt und Sicherheit?

"Gib mir 'n kleines bisschen Sicherheit
In einer Welt in der nichts sicher scheint"

Was ist schon sicher?
Wir können sicher füreinander da sein, aneinander denken, füreinander beten. Wir müssen die Geschwindigkeit gezwungenermaßen aus unserem Alltag raus nehmen. Es gilt, die Ungewissheit auszuhalten. Es bleibt nur zu vertrauen und zu hoffen.

Sicher bleibt und wird nicht geschlossen, ausgesetzt oder abgesagt:
#Beziehung#Vertrauen#Solidarität#Glaube#Liebe#Hoffnung

Danke an Vivi, für dein wunderschönes Cover von "Irgendwas, das bleibt" (Silbermond).

Anhören, durchatmen, durchhalten!